Bei einer selbst gestrickten Tasche zeigt sich oft erst nach ein paar Tagen, ob sie wirklich alltagstauglich ist. Eine lockere Maschenprobe wird mit Wasserflasche und Einkauf schnell länger, und schmale Henkel schneiden unangenehm in die Hand. Für dieses Modell habe ich deshalb eine schlichte Form gewählt: zwei feste, rechteckige Teile, eine sorgfältige Naht und breite, verstärkte Träger. Das Ergebnis ist eine unkomplizierte Tragetasche, die sich auch dann gut stricken lässt, wenn du bisher vor allem Schals oder Kissenbezüge gearbeitet hast.
Die Tasche wird flach in einzelnen Teilen gestrickt und anschließend zusammengenäht. Du brauchst keine komplizierten Abnahmen und musst keine Maschen für einen runden Boden aufnehmen. Die fertige Tasche ist ungefähr 37 cm breit und 40 cm hoch, ohne Henkel gemessen. Die Maße lassen sich leicht verändern; weiter unten erkläre ich, worauf du dabei achten solltest.
Material, das der Tasche Halt gibt
Nimm ein Garn, das sich fest stricken lässt und nicht schon beim Anfassen sehr weich und elastisch wirkt. Gut geeignet sind kräftiges Baumwollgarn, ein Baumwollmischgarn oder ein stabiles Kordelgarn. Reine Baumwolle ist robust, kann aber als fertige Tasche recht schwer werden. Ein Mischgarn mit etwas Polyester ist häufig leichter und behält seine Form besser. Flauschige Wolle würde ich für dieses Modell nicht wählen: Sie ist weniger strapazierfähig und kann unter Gewicht deutlich nachgeben.
Du benötigst etwa 450 bis 500 g Garn, je nach Lauflänge und persönlicher Strickweise. Bei einem Garn mit ungefähr 90 m auf 50 g solltest du rund 800 bis 900 m bereithalten. Außerdem brauchst du eine Rundstricknadel oder ein Nadelspiel in der passenden Stärke, eine Wollnadel, Maschenmarkierer und für die Träger schmale Baumwollbänder zur Verstärkung. Die Rundstricknadel ist hier nur praktisch, weil sich ein breites Vorder- oder Rückenteil darauf bequemer unterbringen lässt; in Runden wird nicht gestrickt.
Stricke zuerst eine Maschenprobe im glatt rechten Muster. Für die Anleitung rechne ich mit 16 Maschen und 22 Reihen auf 10 cm, gewaschen und flach getrocknet. Weicht deine Probe deutlich ab, nimm eine andere Nadelstärke. Bei einer Tasche macht das einen spürbaren Unterschied: Ein zu lockeres Gestrick lässt die Seitennaht ausbeulen, während ein sehr festes Gestrick schwer und steif in der Hand liegen kann.
Die beiden Taschenteile stricken
Schlage für das erste Teil 62 Maschen an. Bei der angegebenen Maschenprobe ergibt das eine Breite von knapp 39 cm. Stricke zunächst sechs Reihen nur rechte Maschen. Dieser kraus rechte Rand liegt später am unteren Taschenrand und hilft dabei, dass sich die Kante nicht einrollt.
In der folgenden Reihe strickst du die ersten drei Maschen rechts, die mittleren 56 Maschen glatt rechts und die letzten drei Maschen wieder rechts. Auf der Rückreihe werden ebenfalls die ersten und letzten drei Maschen rechts gestrickt; die Maschen dazwischen strickst du links. Die drei kraus rechten Randmaschen an jeder Seite stabilisieren das Teil und machen die spätere Naht leichter zu finden. Stricke in diesem Muster 76 Reihen.
Zum Abschluss folgen weitere sechs Reihen rechte Maschen über alle Maschen. So entsteht oben ein gleichmäßiger Rand, an dem sich die Henkel später gut befestigen lassen. Kette locker ab. Das Teil sollte nun ungefähr 40 cm hoch sein. Stricke ein zweites, gleich großes Teil auf dieselbe Weise. Wenn du nach dem ersten Teil kurz die Reihen zählst oder es als Vorlage neben das zweite legst, ersparst du dir am Ende eine schiefe Tasche.
Glatt rechts rollt sich an den offenen Kanten gern ein wenig ein. Die kraus rechten Ränder begrenzen das zwar, aber das fertige Gestrick sollte trotzdem vor dem Zusammennähen in Form gebracht werden. Feuchte beide Teile vorsichtig an, lege sie auf ein Handtuch und richte die Kanten auf dieselben Maße aus. Nicht ziehen und nicht heiß bügeln: Das kann Baumwollgarn dauerhaft verformen.
Nähte, die auch Gewicht aushalten
Lege die beiden Teile mit den schönen Seiten nach außen aufeinander. Vernähe zuerst die beiden Seitenkanten, anschließend die unteren Kanten. Für die Seiten eignet sich der Matratzenstich: Dabei werden abwechselnd die Querfäden direkt neben den Randmaschen aufgenommen. Ziehst du den Faden nach einigen Stichen vorsichtig an, schließt sich die Naht und bleibt außen recht unauffällig. Achte darauf, die Randmaschen nicht zu überspringen; sonst entstehen kleine Löcher, durch die später der Inhalt zu sehen ist.
Am Boden lohnt sich eine besonders belastbare Naht. Nähe die Kanten zunächst wie die Seiten zusammen und sichere die Naht danach mit einer zweiten Reihe kleiner Stiche. Das ist keine aufwendige Zusatzarbeit, verhindert aber, dass sich der Taschenboden bei schwerem Inhalt an einer einzelnen Fadenreihe aufzieht. Vernähe die Fadenenden auf der Innenseite über mehrere Zentimeter im Gestrick, statt sie knapp am Knoten abzuschneiden.
Wenn du einen etwas breiteren Boden möchtest, kannst du die Tasche nach dem Schließen der Nähte an den unteren Ecken abnähen. Dafür wird eine Ecke flach so gelegt, dass Seiten- und Bodennaht genau übereinanderliegen. Miss von der Spitze aus etwa 3 cm entlang der Ecke ab und nähe quer über das Gestrick. Je länger diese Querlinie ist, desto tiefer wird der Boden. Für die erste Tasche würde ich bei einer kurzen Linie bleiben; eine kleine Formung reicht schon, damit sie besser steht.
Breite Träger stricken und befestigen
Für einen Träger schlägst du acht Maschen an und strickst jede Reihe rechts. So entsteht ein etwa 5 cm breites Band, das sich nicht stark einrollt. Stricke ungefähr 125 Reihen; bei der Maschenprobe entspricht das gut 56 cm. Kette locker ab und arbeite einen zweiten Träger genauso. Die Länge kannst du vor dem Abketten an dir prüfen: Lege das Band über die Schulter und berücksichtige, dass seine Enden später einige Zentimeter auf der Tasche festgenäht werden.
Gestrickte Henkel geben unter Belastung nach. Nähe deshalb auf die Rückseite jedes Bandes ein schmales Baumwollband, das etwas kürzer als der gestrickte Träger ist. Es soll nicht an den Enden hervorschauen. Diese Verstärkung nimmt Zug auf und verhindert, dass sich der Henkel nach einigen Einkäufen immer weiter verlängert. Wenn du die Tasche ausschließlich für leichte Dinge nutzen willst, kannst du darauf verzichten; für Schlüssel, Buch und Wasserflasche würde ich sie einarbeiten.
Lege die Tasche flach vor dich. Auf jedem Taschenteil wird ein Träger befestigt, mit seinen beiden Enden etwa 8 cm von den Seitenkanten entfernt. Die Enden sollten rund 4 cm auf dem oberen Rand aufliegen. Stecke sie zuerst mit Markierern fest und prüfe, ob sie symmetrisch sitzen und sich beim Anheben angenehm greifen lassen. Nähe die Enden mit mehreren Reihen kleiner Stiche fest. Eine einfache Naht quer über das Ende ist zu wenig: Nähe zusätzlich ein Rechteck um die Ansatzstelle und eine Diagonale darin. So verteilt sich die Belastung über eine größere Fläche.
Was du anpassen kannst – und was besser gleich bleibt
Eine andere Taschenbreite ist leicht umzusetzen: Pro ungefähr 2,5 cm zusätzlicher Breite kommen bei dieser Maschenprobe vier Maschen dazu. Achte darauf, auf beiden Seiten gleich viele Randmaschen für die kraus rechten Kanten beizubehalten. Für mehr Höhe strickst du zusätzliche Reihen, nicht zusätzliche Maschen. Die Träger sollten anschließend zur neuen Größe passen; bei einer breiteren Tasche müssen ihre Befestigungspunkte weiter auseinanderliegen.
- Für eine festere Tasche: Verwende ein etwas kräftigeres Garn oder kleinere Nadeln und prüfe die Maschenprobe erneut.
- Für eine leichtere Tasche: Wähle ein dünneres Baumwollmischgarn, aber lass die Verstärkung der Träger nicht weg.
- Für mehr Ordnung innen: Nähe ein schlichtes Stofffutter ein, sobald die gestrickte Tasche fertig zusammengenäht ist. Schneide den Stoff mit etwas Nahtzugabe zu und befestige ihn knapp unter dem oberen Rand.
Ein Futter ist besonders hilfreich, wenn du häufig kleine Gegenstände mitnimmst. Schlüssel und Stifte bleiben dann nicht an den Maschen hängen. Schneide den Stoff nicht exakt auf das ungedehnte Strickmaß zu: Lege die Tasche locker auf den Stoff und gib an den Seiten und am Boden jeweils ungefähr 1 cm Nahtzugabe dazu. Das Futter soll innen glatt liegen, aber das Gestrick nicht zusammenziehen.
Ein letzter Blick vor dem ersten Einsatz
Bevor du die Tasche füllst, kontrolliere die Trägeransätze und die Bodenkante noch einmal. Ziehe sanft an den Henkeln, statt die Tasche gleich mit dem ganzen Einkauf zu beladen. Gibt eine Naht nach, lässt sie sich jetzt noch bequem verstärken. Danach kannst du die Tasche mit einem feuchten Tuch auffrischen oder, falls das Garn es erlaubt, vorsichtig von Hand waschen. Lege sie zum Trocknen flach hin und richte dabei die Form aus.
Das Schöne an diesem Modell ist nicht, dass es jede gekaufte Tasche ersetzt. Es ist die Möglichkeit, ein schlichtes Stück so zu stricken, dass es zu den eigenen Wegen passt: etwas höher für ein Buch, mit Futter für Kleinkram oder ganz unkompliziert für den täglichen Einkauf. Wenn die Tasche nach einigen Monaten Gebrauch eine weiche Falte am Boden bekommt, ist das kein Fehler im Gestrick. Es ist die Stelle, an der sie tatsächlich getragen wurde.
Foto von Brina Blum auf Unsplash
Kaputte Geräte sind manchmal interessanter als funktionierende. Vor dem Wegwerfen wird lieber geschraubt, gemessen und nach der Ursache gesucht. Die größte Freude bereitet der Moment, in dem nach langem Tüfteln plötzlich wieder alles läuft.

