Makramee-Windlicht – einfache Anleitung – Ein dekoratives Windlicht mit wenigen Materialien selbst knüpfen

Makramee-Windlicht – einfache Anleitung – Ein dekoratives Windlicht mit wenigen Materialien selbst knüpfen

Ein leeres Marmeladenglas bekommt bei mir selten lange eine zweite Chance im Schrank. Mit einem schlichten Netz aus Baumwollkordel wird daraus ein Windlicht, das auf dem Fensterbrett ebenso gut aussieht wie draußen auf dem Gartentisch. Beim Knüpfen merkt man schnell: Die Wirkung hängt weniger von komplizierten Mustern ab als davon, dass die Abstände stimmen und das Glas später sicher sitzt. Genau deshalb halte ich die Anleitung bewusst einfach – und zeige auch, worauf ich beim Anpassen achte.

Das Glas bestimmt die Maße

Für das erste Windlicht nehme ich am liebsten ein gerades Glas ohne starke Einbuchtungen. An einem schmalen Hals kann sich das Netz leicht festsetzen, während ein sehr bauchiges Glas beim Überziehen Falten wirft. Ein Glas mit ungefähr 8 Zentimetern Durchmesser und 10 bis 12 Zentimetern Höhe ist gut zu bearbeiten. Vor dem Zuschneiden messe ich den Umfang an der breitesten Stelle, die das Makramee bedecken soll. Ein Maßband lässt sich dafür direkt um das Glas legen; alternativ markiere ich den Umfang auf einem Papierstreifen.

Die Kordel sollte nicht zu weich und nicht zu steif sein. Eine gedrehte Baumwollkordel mit etwa 3 Millimetern Stärke lässt sich gut greifen und ergibt klare Knoten. Sehr dünne Schnur wirkt an einem schweren Glas schnell verloren. Geflochtene Kordel ist ebenfalls möglich, kann sich beim Festziehen aber anders verhalten als gedrehte. Wenn du eine Restekiste verwendest, knüpfe zuerst eine kleine Probereihe: So siehst du, ob das Material sauber liegt und ob dir die Dichte gefällt.

Für das hier beschriebene Modell brauchst du ein gerades Glas, eine Schere, ein Maßband, eine feste Unterlage und eine kleine Klammer oder einen Haken zum Fixieren. Dazu kommen eine etwa 60 Zentimeter lange Haltekordel und zwölf Arbeitskordeln von jeweils rund 2,2 Metern. Diese Länge ist großzügig bemessen; beim Knüpfen verbrauchen die äußeren Fäden oft mehr Schnur als die mittleren. Lieber bleiben am Ende ein paar Zentimeter übrig, als dass ein Faden kurz vor der letzten Reihe nicht mehr reicht.

Erst die Aufhängung, dann das Netz

Die Haltekordel bildet die obere Kante des späteren Netzes. Ich spanne sie waagerecht zwischen zwei Haken oder befestige sie auf einem Knüpfbrett. Die zwölf Arbeitskordeln lege ich jeweils in der Mitte zusammen und hänge sie mit einem Ankerstich an die Haltekordel. Dafür wird die gefaltete Schlaufe über die Haltekordel gelegt, die beiden Enden werden durch die Schlaufe geführt und gleichmäßig angezogen. Danach hängen 24 gleich lange Fadenenden nach unten.

Es hilft, die Haltekordel auf einer Höhe zu fixieren, an der du bequem arbeiten kannst. Wenn sie beim Anziehen der Knoten nachgibt, werden die Reihen ungleichmäßig. Ich sichere sie deshalb zusätzlich mit einer Klammer oder einem kleinen Stück Klebeband auf der Arbeitsfläche. Die Fäden sortiere ich mit den Fingern, nicht mit Gewalt: Schon ein verdrehter Faden kann später dazu führen, dass ein Knoten schräg sitzt.

Die ersten Reihen knüpfen

Das Grundmuster besteht aus dem Kreuzknoten, auch quadratischer Knoten genannt. Dafür brauchst du jeweils vier nebeneinanderliegende Fäden. Die beiden mittleren Fäden bleiben gerade und bilden den Kern; die äußeren Fäden werden darum geknüpft. Lege den linken Arbeitsfaden über die beiden mittleren Fäden und unter den rechten Arbeitsfaden. Den rechten führst du hinter den mittleren Fäden hindurch und von hinten durch die linke Schlaufe. Ziehe beide Enden gleichmäßig an. Für die zweite Hälfte läuft die Bewegung spiegelverkehrt: Der rechte Faden kommt über die Mitte, der linke hinter der Mitte hindurch und durch die Schlaufe. Zusammen ergeben die beiden Hälften einen Kreuzknoten.

In der ersten Reihe knüpfst du mit den 24 Fäden sechs Kreuzknoten. Ziehe jeden Knoten so weit nach oben, dass er knapp unter der Haltekordel sitzt, aber nicht gegen sie gepresst wird. Ein gleichmäßiger Abstand lässt das Netz ruhiger wirken und macht es leichter, die Öffnung für das Glas einzuschätzen. Für die nächste Reihe lässt du außen jeweils zwei Fäden frei und knüpfst mit den übrigen Fäden versetzt weiter. So entstehen die typischen Rauten. In der darauffolgenden Reihe arbeitest du wieder mit den ursprünglichen Vierergruppen.

Wiederhole diese beiden Reihen, bis das Netz ungefähr die gewünschte Höhe erreicht. Bei einem kleinen Glas reichen oft acht bis zehn Reihen. Lege die Arbeit zwischendurch locker um das Glas, statt dich allein auf die Zahl der Reihen zu verlassen. Die Knoten ziehen das Material zusammen, und je nach Handspannung kann dieselbe Reihe bei zwei Personen deutlich unterschiedlich breit ausfallen. Soll das Glas unten teilweise frei bleiben, endet das Netz ein paar Zentimeter oberhalb des Bodens.

Passform prüfen, bevor du abschneidest

Nach einigen Reihen kommt der Moment, an dem ich das Werkstück zum ersten Mal um das Glas lege. Die beiden Seitenkanten sollten sich treffen oder leicht überlappen. Wenn eine Lücke bleibt, kannst du die Knoten etwas lockern und die Fäden gleichmäßiger verteilen. Ist das Netz deutlich zu weit, wird es später am Glas rutschen. Bei einem kleinen Unterschied lässt sich die Passform über die Seitennaht korrigieren; bei einer großen Abweichung ist es angenehmer, jetzt eine Reihe aufzutrennen, statt sich am fertigen Stück darüber zu ärgern.

Die Maße in der Tabelle sind Ausgangswerte für ein kleines, eher gerades Glas. Das Ergebnis hängt auch davon ab, wie fest du knotest und wie breit deine Kreuzknoten werden. Miss am besten direkt am Glas und betrachte die Angaben als Orientierung, nicht als starre Vorgabe.

Teil Richtwert Wofür du ihn anpasst
Glasumfang etwa 24–26 cm Bestimmt die benötigte Breite des Netzes
Haltekordel etwa 60 cm Lässt genug Spielraum für die Seitenverbindung
Arbeitskordeln 12 Stück à 2,2 m Reicht für ein Netz mit ungefähr 8–10 Reihen
Netzhöhe etwa 10–12 cm Je nach Glas und gewünschtem freien Bodenrand variieren

Seiten schließen und Boden formen

Wenn die Höhe passt, legst du das Netz um das Glas und bringst die Kanten zusammen. Eine schlichte Seitennaht entsteht, indem du die jeweils gegenüberliegenden Fäden mit einem zusätzlichen kurzen Stück Kordel zusammenbindest. Arbeite von oben nach unten und prüfe nach jedem zweiten Verbindungspunkt, ob das Netz gerade bleibt. Die Naht darf stabil sein, sollte die Kanten aber nicht zusammenziehen wie ein Schnürbeutel. Sonst bilden sich daneben unschöne Falten.

Für den Boden fasst du die losen Fadenenden mit einer separaten Kordel zusammen. Führe sie durch die unteren Schlaufen beziehungsweise um die Enden herum, ziehe zunächst nur leicht an und setze das Glas probeweise ein. Sitzt es mittig, kannst du die Kordel festziehen und mit einem Doppelknoten sichern. Die Enden werden knapp gekürzt. Bei gedrehter Baumwollkordel franst die Schnittkante leicht aus; ein kleiner Tropfen Textilkleber kann helfen, wenn du die Fasern nicht offen stehen lassen möchtest. Teste Kleber allerdings zuerst an einem Reststück, denn manche Sorten hinterlassen einen dunklen Fleck.

Oben kannst du die Haltekordel ebenfalls am Glas schließen. Führe ihre Enden hinter der Seitennaht zusammen und verknote sie so, dass der obere Rand weder vom Glas rutscht noch den Rand des Glases verdeckt. Beim Anpassen zählt die tatsächliche Form des Gefäßes: Ein Glas mit leichtem Absatz unter dem Rand hält das Netz oft von selbst, bei einem geraden Zylinder muss die obere Kante sorgfältiger sitzen.

Ein paar kleine Änderungen, die viel ausmachen

Ein naturfarbenes Netz passt zu fast jedem Glas, aber du musst nicht gleich die Kordel wechseln, um eine andere Wirkung zu erzielen. Kürzere Fransen am Boden lassen das Windlicht ordentlich und modern aussehen; längere Fransen wirken weicher, können aber leichter verrutschen oder Staub sammeln. Ich schneide sie erst, nachdem das Glas eingesetzt ist. Dann sehe ich, ob die Enden gleichmäßig fallen und ob einzelne Fäden noch nachgekürzt werden müssen.

Wenn dir das Netz zu geschlossen erscheint, lass zwischen den Reihen etwas mehr Abstand. Für einen sichereren Sitz ist dagegen ein engeres Muster oft die bessere Wahl. Bunte Glasreste oder ein schlichtes Etikett können den Charakter zusätzlich verändern, ohne das Knüpfmuster komplizierter zu machen. Bei mehreren Windlichtern auf einem Tisch wirkt es meist stimmiger, dieselbe Glasform zu verwenden und nur die Fransenlänge oder die Farbe leicht zu variieren.

Für eine echte Flamme verwende ich nur ein Glas, das dafür geeignet ist, und stelle es auf eine ebene, nicht brennbare Fläche. Baumwollkordel ist brennbar; sie darf weder die Flamme berühren noch in deren Nähe hängen. Besonders bei einem niedrigen Glas oder längeren Fransen ist eine LED-Kerze die sichere Wahl. Das Makramee bleibt dabei schön sichtbar, und du musst nicht ständig kontrollieren, ob sich ein Faden bewegt hat.

Wenn das erste Netz nicht ganz gerade wird

Ein leicht unregelmäßiger Kreuzknoten ist kein Grund, das Stück aufzutrennen. Solange das Netz sicher sitzt, fällt eine kleine Abweichung aus normalem Betrachtungsabstand kaum auf. Deutlich sichtbar wird eher eine Reihe, die insgesamt nach oben oder unten wandert. In dem Fall lohnt es sich, die letzte Reihe zu lösen und die Fäden neu auszurichten. Das geht bei Baumwollkordel meist ohne Schaden, solange du nicht an einzelnen Fasern zerrst.

Am Ende liegt ein Glas in einem geknüpften Netz – und doch wirkt es oft persönlicher als eine aufwendigere Dekoration. Vielleicht, weil man beim Arbeiten jede Reihe einzeln in der Hand hatte und kleine Unregelmäßigkeiten nicht verstecken musste. Wenn du das Windlicht später wieder hervorholst, erinnert es nicht nur an den Abend, an dem es entstanden ist, sondern auch daran, dass ein ruhiges, gleichmäßiges Muster manchmal mehr Atmosphäre schafft als ein besonders kompliziertes.


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