Im Schaufenster wirkt eine Tasche aus Makramee oft erstaunlich stabil, bis man sie in die Hand nimmt: Viele geknotete Modelle sind leicht und schön, geben unter Gewicht aber schneller nach, als man erwartet. Beim Häkeln lässt sich das gut abfangen. Ein fester Boden und ein lockeres Netzmuster verbinden die typische offene Optik mit einer Form, die im Alltag nicht gleich zusammenfällt. Die folgende Tasche ist für Anfänger gut machbar, sofern du gleichmäßig häkelst und dir beim Aufnehmen der Seitenmaschen etwas Zeit lässt.
Das Modell wird von unten nach oben gearbeitet. Der rechteckige Boden entsteht in Reihen, danach häkelst du die Seiten in Runden. Das Netzmuster erinnert an Makramee, ohne dass du einzelne Knoten knüpfen musst. Fertig ist die Tasche ungefähr 28 cm breit und 24 cm hoch, der Boden misst etwa 28 mal 8 cm. Die Maße sind Richtwerte: Baumwollkordel kann je nach Hersteller deutlich fester oder weicher ausfallen.
Material und Maschenprobe: lieber erst ein kleines Stück testen
Du brauchst etwa 250 bis 300 g Baumwollkordel mit einer Stärke von 3 bis 4 mm, eine Häkelnadel der Stärke 5 bis 6 mm, eine Wollnadel und eine Schere. Ich würde eine gedrehte oder geflochtene Kordel wählen, die sich beim Häkeln nicht leicht aufspaltet. Sehr weiche, locker gezwirnte Schnur kann an den offenen Stellen hübsch aussehen, lässt aber eine gefüllte Tasche stärker ausbeulen. Für die Henkel eignet sich dieselbe Kordel; etwas fester gehäkelt werden sie angenehm griffig.
Die Nadelstärke auf der Banderole ist nur ein Anfangspunkt. Häkle ein kleines Stück aus festen Maschen und ziehe leicht daran. Wenn die Maschenlöcher schon im Probestück groß und unregelmäßig wirken, nimm eine kleinere Nadel. Ist die Kordel mühsam durch die Maschen zu ziehen, probiere eine größere. Bei diesem Modell ist ein festes Maschenbild am Boden wichtiger als eine millimetergenaue Maschenprobe. Ein strammer Boden trägt die Tasche, während das Netzmuster an den Seiten bewusst luftiger bleibt.
Verwendete Abkürzungen: Luftmasche (LM), feste Masche (fM), Kettmasche (KM). Eine Wendeluftmasche zählt hier nicht als Masche. Damit du die Runden später leichter kontrollieren kannst, markierst du den Rundenanfang am besten mit einem kleinen Faden oder Maschenmarkierer.
Der Boden entsteht in einfachen Reihen
Schlage 31 LM an. Häkle ab der zweiten Luftmasche von der Nadel aus 30 fM, wende die Arbeit und häkle eine Wendeluftmasche. In jeder folgenden Reihe arbeitest du wieder 30 fM. Wiederhole das, bis der Boden ungefähr 8 cm hoch ist. Je nach Kordel und persönlicher Spannung sind das meist etwa sieben bis neun Reihen. Entscheidend ist das Maß, nicht eine bestimmte Reihenzahl: Ein schiefes oder stark gewölbtes Rechteck setzt sich später an den Seiten fort.
Lege das Stück zwischendurch flach auf den Tisch. Wenn sich die Kanten einrollen, kannst du es vorsichtig mit den Händen in Form bringen; starkes Ziehen verändert die Maschen. Für die erste Runde arbeitest du einmal rund um das Rechteck. Häkle 30 fM entlang der ersten kurzen Seite, dann je eine fM in die Seitenkante jeder Reihe der langen Seite. Am gegenüberliegenden Ende folgen wieder 30 fM, anschließend nimmst du entlang der zweiten langen Seite ebenso viele Maschen auf, wie du Reihen gehäkelt hast. Du solltest insgesamt auf eine gerade Maschenzahl kommen, bei acht Reihen also auf 76 Maschen. Schließe die Runde mit einer KM in die erste fM.
Die Seitenkanten sind für viele der ungewohnte Teil. Setze die Nadel nicht wahllos in große Lücken, sondern verteile die Maschen gleichmäßig entlang der Reihenenden. Wenn der Rand nach der ersten Runde Wellen schlägt, hast du wahrscheinlich zu viele Maschen aufgenommen. Zieht er sich nach oben zusammen, fehlen vermutlich einige. In diesem Fall lohnt es sich, die Runde gleich wieder aufzutrennen. Der Boden sollte flach bleiben, bevor die Tasche in die Höhe wächst.
Das Netzmuster häkeln, ohne den Überblick zu verlieren
Häkle zunächst eine Runde fM in jede Masche und schließe sie mit einer KM. Diese Runde gibt dem Boden eine klare Kante. Danach beginnt das Netzmuster: Häkle 1 LM, dann fortlaufend *1 fM, 1 LM, 1 Masche überspringen*. Wiederhole den Abschnitt zwischen den Sternchen bis zum Rundenende und schließe mit einer KM in die erste fM. Bei 76 Maschen geht die Einteilung auf: Es entstehen 38 kleine Öffnungen.
In der nächsten Runde häkelst du die fM jeweils in den Luftmaschenbogen der Vorrunde, dazwischen kommt wieder 1 LM; die fM der vorherigen Runde überspringst du. So wandern die festen Maschen leicht versetzt und ergeben ein regelmäßiges, knotenähnliches Geflecht. Wiederhole diese Runde, bis die Seiten etwa 18 bis 20 cm hoch sind. Bei vielen Kordeln sind dafür ungefähr 15 bis 18 Musterrunden nötig, doch die Höhe lässt sich einfacher mit einem Maßband kontrollieren als durch Zählen.
Ziehe das Häkelstück beim Messen nicht auseinander. Die Tasche wird später durch ihren Inhalt ohnehin etwas gedehnt. Wenn du eine besonders robuste Alltagstasche möchtest, häkle nach jeder zweiten Netzmusterrunde zusätzlich eine Runde fM. Das macht die Seiten dichter und verbraucht mehr Garn, nimmt dem Makramee-Look aber etwas von seiner Leichtigkeit. Für eine kleine Sommertasche reicht das offene Muster meist aus; für schwere Einkäufe würde ich es nicht verwenden.
Am oberen Rand wechselst du zurück zu festen Maschen: Häkle eine fM in jede fM und eine fM in jeden Luftmaschenbogen. So wird der Abschluss stabiler und du hast eine gleichmäßige Kante zum Annähen der Henkel. Häkle noch eine zweite Runde fM und schließe sie sauber mit einer KM. Schneide den Faden mit etwas Länge ab und ziehe ihn durch die letzte Masche. Vernähe das Ende auf der Innenseite, indem du es durch mehrere Maschen führst, statt es nur kurz festzuknoten.
Henkel, die sich beim Tragen nicht verdrehen
Für zwei kurze Schulterhenkel schlägst du jeweils 7 LM an und häkelst ab der zweiten LM 6 fM. Wende mit einer LM und arbeite die nächsten Reihen ebenfalls mit 6 fM. Häkle so lange, bis der Streifen entspannt etwa 55 bis 60 cm misst. Die fertige Länge lässt sich am besten am eigenen Körper prüfen: Halte den Streifen an die Tasche und teste, ob sie bequem an der Schulter sitzt. Kordel gibt unter Belastung etwas nach, deshalb sollte der Henkel nicht schon ohne Inhalt knapp sein.
Eine schmale gehäkelte Kette kann sich in die Schulter schneiden. Sechs feste Maschen ergeben einen schlichten, eher schmalen Riemen; wenn du mehr Auflagefläche möchtest, beginne mit 9 LM und häkle 8 fM pro Reihe. Arbeite den Streifen möglichst gleichmäßig, denn schon kleine Spannungsunterschiede lassen einen langen Henkel verdreht wirken. Zwei Runden fM am oberen Taschenrand und eine sorgfältige Befestigung helfen gegen Ausleiern, ersetzen aber keine breite, stabile Naht.
Platziere die Henkel auf beiden Seiten mit gleichem Abstand zu den Seitenkanten. Nähe jedes Ende mit dem langen Faden auf der Innenseite fest und führe die Nadel mehrfach durch Henkel und Taschenrand. Bei einer Tasche, die regelmäßig Gewicht tragen soll, kannst du zusätzlich ein kleines Stück festes Baumwollband oder Stoff auf der Innenseite unterlegen. Die Verbindung ist dann weniger dekorativ, aber deutlich belastbarer. Prüfe vor dem Vernähen, dass die Henkel nicht verdreht sind und beide auf derselben Höhe sitzen.
Form geben und die Tasche sinnvoll fertigstellen
Nach dem Vernähen kannst du die Tasche mit den Händen in Form bringen. Bei reiner Baumwollkordel genügt meist leichtes Glätten; starkes Spannen oder heißes Bügeln kann die Struktur verändern. Eine leichte Stofffütterung ist sinnvoll, wenn Schlüssel oder kleine Gegenstände durch die Öffnungen rutschen könnten. Schneide dafür ein Rechteck passend zu den Innenmaßen zu, nähe es an den Seiten zusammen und befestige den oberen Rand von Hand knapp unter der gehäkelten Abschlusskante. So bleibt das offene Muster außen sichtbar.
Wenn die Tasche nach dem ersten Tragen etwas länger wird, ist das kein Fehler, sondern eine typische Reaktion von Kordel und Netzmuster auf Gewicht. Für Bücher, eine volle Trinkflasche oder andere schwere Dinge ist ein dichterer Boden entscheidend. Du kannst ihn verstärken, indem du ein passend zugeschnittenes Stück festen Stoffes innen annähst. Eine herausnehmbare Einlage aus dünnem Kunststoff oder Filz hält den Boden ebenfalls flach, sollte aber so zugeschnitten sein, dass sie nicht an den Ecken hochsteht.
Ein kleiner Test vor dem ersten Ausflug erspart Ärger: Lege ein gefaltetes Handtuch oder ein paar leichte Gegenstände hinein und hänge die Tasche für eine Weile auf. Beobachte, ob sich die Henkelnaht öffnet, der Boden stark durchhängt oder die Seiten ungleichmäßig nachgeben. Kleine Anpassungen sind jetzt noch leicht möglich. Gerade bei einer selbst gehäkelten Tasche darf man ruhig entscheiden, ob sie vor allem dekorativ sein soll oder den täglichen Einkauf aushalten muss – das Muster kann beides andeuten, aber die Konstruktion gibt den Ausschlag.
Der Reiz dieser Tasche liegt für mich in der Mischung aus Ordnung und Unregelmäßigkeit: Die festen Reihen am Boden geben Halt, die offenen Maschen darüber lassen Licht und Luft durch. Wenn du beim ersten Versuch nicht jede Masche vollkommen gleichmäßig triffst, wird das im fertigen Netzmuster kaum auffallen. Was man dagegen spürt, ist eine gut gearbeitete Kante und ein Henkel, der nicht nach wenigen Wegen einschneidet. Genau diese kleinen Entscheidungen machen aus einem hübschen Häkelstück eine Tasche, die man tatsächlich gern mitnimmt.
Foto von Elena Putina auf Unsplash
Am liebsten entstehen neue Ideen mitten bei der Arbeit, wenn plötzlich etwas anders läuft als geplant. Ob Holz, Werkzeug oder kleine Reparaturen – entscheidend ist am Ende nicht die perfekte Optik, sondern eine Lösung, die wirklich funktioniert.

