Bei meinem ersten einfachen Lochmuster war nicht die Technik das Problem, sondern die Erwartung: Ich hielt das Gestrick nach wenigen Reihen gegen das Fenster und sah fast nichts. Erst nach dem Waschen und Spannen öffneten sich die kleinen Löcher zu einem klaren, regelmäßigen Muster. Das ist bei Lochstrick ganz normal. Die Maschen wirken auf der Nadel zunächst oft dichter, als sie später im fertigen Stück aussehen.
Für den Einstieg eignet sich ein schlichtes Muster aus rechten Maschen, Umschlägen und zusammen abgestrickten Maschen. Es braucht keine komplizierten Charts und lässt sich gut an einem Probelappen üben. Die Anleitung unten ergibt ein ruhiges, gleichmäßiges Lochraster, das sich etwa für einen Schal, einen schmalen Schalrand oder ein leichtes Tuch eignet.
Das Muster und seine kleine Rechenregel
Das Muster wiederholt sich über vier Maschen. Dazu kommen zwei Randmaschen. Schlage also eine Maschenzahl an, die sich durch vier teilen lässt, und ergänze zwei Maschen für die Ränder: zum Beispiel 22, 26 oder 30 Maschen. Für ein Übungsstück sind 22 Maschen angenehm; es ist breit genug, um den Rhythmus zu erkennen, aber nicht so breit, dass ein Fehler lange unbemerkt bleibt.
Die Umschläge erzeugen neue Maschen und damit die Löcher. Damit die Maschenzahl nicht zunimmt, wird jeweils eine Masche mit zwei anderen zusammengestrickt. Im Muster geschieht beides direkt nacheinander: erst eine Abnahme, dann ein Umschlag. So bleibt die Gesamtzahl unverändert. Wenn ein Lochmuster plötzlich breiter wird, fehlt häufig eine Abnahme oder es ist unabsichtlich ein zusätzlicher Umschlag entstanden.
| Reihe | Vorderseite oder Rückseite | So strickst du |
|---|---|---|
| 1 | Vorderseite | Randmasche rechts, dann fortlaufend *2 Maschen rechts zusammenstricken, 1 Umschlag, 2 Maschen rechts*, mit einer rechten Randmasche enden. |
| 2 | Rückseite | Randmasche rechts, alle Maschen bis zur letzten Randmasche links, letzte Masche rechts. |
| 3 | Vorderseite | Alle Maschen rechts stricken. |
| 4 | Rückseite | Randmasche rechts, alle Maschen bis zur letzten Randmasche links, letzte Masche rechts. |
Diese vier Reihen bilden den Mustersatz. Danach beginnst du wieder mit Reihe 1. Die Randmaschen werden in jeder Reihe rechts gestrickt; dadurch entsteht ein schmaler krauser Rand, der beim Anfassen stabiler ist als ein einzelner, lockerer Randfaden. Achte beim Wiederholen darauf, dass du die Musterreihe nicht mit der Rückreihe verwechselst. Ein kleiner Maschenmarkierer an der Vorderseite oder ein Zettel mit der Reihenzahl neben dem Strickstück kann erstaunlich viel Aufribbeln ersparen.
Der Umschlag: klein, aber entscheidend
Beim Umschlag wird der Faden einmal über die rechte Nadel gelegt, ohne eine vorhandene Masche abzustricken. Nach der Masche, die du rechts zusammengestrickt hast, liegt der Arbeitsfaden hinten. Für den Umschlag führst du ihn zwischen den Nadelspitzen nach vorn und anschließend über die rechte Nadel wieder nach hinten. In der nächsten Reihe strickst du diesen Faden wie eine normale Masche ab. So entsteht die Öffnung.
Der häufigste Anfängerfehler ist, den Faden statt zwischen den Nadeln außen herumzuführen. Dann entsteht leicht eine zusätzliche Schlinge, die wie ein unbeabsichtigter Umschlag wirkt. Ebenso lohnt es sich, nach jedem Mustersatz kurz nachzuzählen: Aus den vier Maschen müssen wieder vier werden. Die Abnahme kann sich etwas fester anfühlen als die übrigen Maschen. Zieh den Faden trotzdem nicht kräftig an; ein zu strammer Umschlag lässt sich später kaum gleichmäßig öffnen.
In der Anleitung liegt der Umschlag direkt nach der Abnahme. Zusammen mit der rechts geneigten Abnahme ergibt das eine klare, leicht diagonale Struktur. Für den ersten Versuch würde ich die Reihenfolge nicht ändern. Wenn du später mit anderen Abnahmen oder versetzten Umschlägen experimentierst, kann sich die Richtung der kleinen Linien sichtbar verändern.
Ein Probelappen zeigt mehr als ein Blick auf die Nadel
Schlage 22 Maschen an und stricke zunächst zwei oder drei Reihen kraus rechts, damit der Anfang nicht einrollt. Arbeite dann den vierreihigen Mustersatz mindestens fünfmal. Nach der ersten Musterreihe kann das Gestrick noch etwas unruhig wirken: Die Umschläge stehen hervor, und die Abnahmen ziehen die Maschen leicht zusammen. Das ist kein Grund, sofort neu anzufangen. Erst nach mehreren Wiederholungen lässt sich beurteilen, ob die Löcher gleichmäßig sitzen.
Lege den Lappen anschließend in lauwarmes Wasser und lass ihn einige Minuten liegen. Drücke das Wasser vorsichtig heraus, ohne das Gestrick auszuwringen. Zum Trocknen kannst du das Stück auf einem Handtuch ausbreiten und die Seiten behutsam in Form bringen. Nicht an den einzelnen Löchern ziehen: Dadurch werden manche Öffnungen größer als andere. Beim Spannen geht es darum, die Gesamtfläche gleichmäßig auszulegen, nicht das Muster gewaltsam auseinanderzuzerren.
- Zu feste Maschen: Die Löcher bleiben klein und das Gestrick fühlt sich steif an. Probiere eine größere Nadel oder lockere den Faden etwas.
- Unregelmäßige Öffnungen: Prüfe, ob der Umschlag in jeder Musterreihe auf dieselbe Weise gearbeitet wurde und ob die Abnahme direkt davor liegt.
- Mehr Maschen als angeschlagen: Zähle die Umschläge und Abnahmen. Ein Umschlag ohne passende Abnahme verändert die Maschenzahl.
- Ein schiefer Rand: Halte die Randmaschen konsequent gleich und kontrolliere, ob am Reihenanfang versehentlich eine Masche zusätzlich gestrickt wird.
Garn und Nadeln verändern den Eindruck
Für dieses Muster ist ein glattes Garn hilfreich, weil man die einzelnen Maschen gut erkennt. Ein sehr flauschiges oder stark strukturiertes Garn kann die kleinen Öffnungen verdecken. Ein leichter Woll- oder Baumwollmix eignet sich gut zum Üben; bei Baumwolle sollte man allerdings bedenken, dass sie sich beim Spannen anders verhält als elastische Wolle. Für ein Tuch wirkt ein dünnes Garn luftig, während ein dickeres Garn ein deutlich kräftigeres, fast grafisches Lochraster ergibt.
Die Nadelstärke beeinflusst nicht nur die Größe der Löcher, sondern auch den Fall des fertigen Stücks. Eine größere Nadel macht das Gestrick offener, doch zu groß gewählt kann der Stoff schlaff werden und seine Form verlieren. Ich würde mit der auf dem Garnetikett empfohlenen Stärke beginnen und erst nach dem Probelappen entscheiden. Das gewaschene Musterstück ist aussagekräftiger als die Maschenprobe auf der Nadel, denn beim Trocknen richten sich die Umschläge erst richtig aus.
Reihen zählen, ohne den Rhythmus zu verlieren
Bei einem einfachen Muster wie diesem kannst du die Reihen am besten an den Lochreihen erkennen: In jeder vierten Reihe erscheint die nächste Reihe von Öffnungen auf der Vorderseite. Das ersetzt einen Reihenzähler nicht unbedingt, hilft aber beim Prüfen. Wenn du mitten in der Arbeit eine Unterbrechung machst, schau zuerst, auf welcher Seite der Arbeitsfaden liegt und ob du gerade eine Musterreihe oder eine Rückreihe beendet hast. Dann zähle die sichtbaren Reihen zwischen zwei Lochreihen.
Ein Fehler lässt sich oft eine oder zwei Reihen später noch gezielt korrigieren. Fehlt nur ein Umschlag, kann man ihn manchmal mit einer Häkelnadel wieder aufnehmen. Bei einer falschen Abnahme ist Zurückstricken meist sauberer, besonders wenn das Stück noch klein ist. Ich ribble lieber wenige Maschen in Ruhe auf, statt eine Unregelmäßigkeit über viele Zentimeter mit mir herumzutragen. Bei einem Schal fällt eine einzelne Abweichung zwar nicht immer auf, aber man sollte bewusst entscheiden, ob sie zum Charakter des Stücks gehören darf.
Vom Übungsstück zum eigenen Projekt
Das gleichmäßige Lochraster passt gut zu einem schlichten Schal, weil es auch ohne komplizierte Formgebung eine erkennbare Struktur mitbringt. Für einen breiten Schal kannst du die Maschenzahl nach derselben Regel erhöhen: ein Vielfaches von vier plus zwei Randmaschen. Vor dem Anschlag lohnt es sich, die gewünschte Breite am gewaschenen Probelappen zu messen. Lochmuster können sich beim Spannen deutlich verbreitern, sodass die Breite auf der Nadel kein verlässlicher Maßstab ist.
Wenn du das Muster für einen Pullover oder ein anderes passformabhängiges Kleidungsstück verwenden möchtest, plane die Maschenprobe und das Waschen unbedingt mit ein. Das offene Gestrick kann sich in der Länge aushängen, besonders bei schwerem Garn. Ein Schal verzeiht diese Veränderung leichter als ein Ärmel. Auch ein breiter Rand in Rippenmuster oder kraus rechts kann hilfreich sein, wenn sich die Kanten aufrollen; beim hier beschriebenen kleinen Übungsstück stabilisieren die krausen Randmaschen bereits den Abschluss.
Am Ende ist ein Lochmuster weniger eine Frage von Tempo als von gleichbleibenden Handgriffen. Wenn Umschlag und Abnahme ihren festen Platz haben, wird der Rhythmus schnell selbstverständlich. Und falls die Löcher auf der Nadel zunächst unscheinbar wirken, gib dem Stück erst Wasser, Zeit und eine ruhige Form. Oft zeigt sich die eigentliche Schönheit des Musters nicht während des Strickens, sondern erst, wenn die Arbeit flach vor einem liegt und das Licht durch die kleinen Öffnungen fällt.
Foto von Ursula Castillo auf Unsplash
Aus alten Dingen etwas Neues machen? Genau solche Projekte sorgen für Begeisterung. Besonders spannend wird es, wenn einfache Materialien, ungewöhnliche Einfälle und ein bisschen Improvisation zusammenkommen.

