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Herrenweste stricken: Anleitung – Herrenweste selber stricken: Materialien, Maße und Schritt-für-Schritt-Anleitung

Herrenweste stricken: Anleitung – Herrenweste selber stricken: Materialien, Maße und Schritt-für-Schritt-Anleitung

Bei einer selbst gestrickten Herrenweste entscheidet sich erstaunlich viel, bevor die erste Reihe fertig ist: Sitzt sie später über einem Hemd, ohne am Bauch zu spannen? Ist der Ausschnitt tief genug, dass ein Hemdkragen Platz hat? Und bleibt die Weste unter einer Jacke flach, statt sich an den Armlöchern aufzuschieben? Bei Männerwesten fällt eine ungenaue Passform besonders auf, weil es kaum Ärmel gibt, die etwas kaschieren. Ich plane deshalb lieber mit einem gut sitzenden Kleidungsstück als Vorlage und nehme mir Zeit für die Maschenprobe.

Die folgende Anleitung ergibt eine schlichte, leicht taillierte Weste mit V-Ausschnitt. Sie wird in Einzelteilen von unten nach oben gestrickt und anschließend zusammengenäht. Das Grundmaß ist eine Konfektionsgröße 50/52; mit einer kleinen Rechnung lässt sich die Weite anpassen. Die Weste bekommt eine gerippte Blende, die sich mit Knöpfen schließen lässt. Wer sie lieber offen trägt, kann Knopflöcher einfach weglassen.

Material und Maschenprobe: erst messen, dann anschlagen

Für eine angenehm tragbare Weste eignet sich ein glattes Garn mit etwas Formstabilität. Wolle mit einem Anteil an Polyamid oder ein pflegeleichtes Wollmischgarn hält die Kanten meist besser in Form als sehr weiche, schwere Merinowolle. Für die Grundgröße rechne ich mit ungefähr 900 bis 1.100 Metern Garn, etwa 450 bis 550 Gramm bei einer Lauflänge von 200 Metern auf 100 Gramm. Der Verbrauch hängt davon ab, wie lang die Weste wird und wie breit die Blenden ausfallen.

Du brauchst außerdem Rundstricknadeln oder gerade Nadeln in 4 mm und 3,5 mm, eine Wollnadel, Maschenmarkierer und fünf oder sechs Knöpfe. Auch wenn die Teile flach gestrickt werden, ist eine Rundstricknadel angenehm: Das Gewicht liegt auf dem Seil und zieht nicht so stark an den Händen. Für die Anleitung gilt als Ziel eine Maschenprobe von 20 Maschen und 28 Reihen auf 10 cm glatt rechts mit der größeren Nadel. Die Probe wasche ich so, wie später auch die Weste gewaschen werden soll, und lasse sie liegend trocknen. Ungewaschen kann ein Garn deutlich anders ausfallen.

Miss den Brustumfang über einem Hemd und miss zusätzlich die Breite einer Weste oder eines Pullovers, der gut sitzt. Für die hier beschriebene Größe ist ein fertiger Umfang von etwa 108 cm vorgesehen. Das sind ungefähr vier Zentimeter Bequemlichkeitszugabe bei einem Brustumfang von 104 cm. Bei einer lockeren Weste darf es mehr sein; für ein eng getragenes Modell weniger. Ein Zentimeter Unterschied klingt klein, macht sich über die gesamte Vorder- und Rückseite aber bemerkbar.

Maße und Anschlag für Größe 50/52

Die Weste wird am Rücken rund 54 cm breit und etwa 62 cm lang. Die Armausschnitte beginnen ungefähr 40 cm über dem unteren Rand und sind rund 22 cm tief. Lege die Länge am besten an einem vorhandenen Kleidungsstück fest: Manche tragen die Weste gern bis über den Hosenbund, andere möchten, dass sie beim Sitzen nicht hochrutscht. Bei längerem Oberkörper kannst du vor Beginn der Armausschnitte ein paar Zentimeter ergänzen.

Teil Maschen beim Anschlag Breite bei der Maschenprobe
Rückenteil 108 Maschen etwa 54 cm
Linkes Vorderteil 54 Maschen etwa 27 cm
Rechtes Vorderteil 54 Maschen etwa 27 cm

Für eine andere Weite kannst du die fertige Wunschbreite in Zentimetern mit zwei multiplizieren und die Maschenzahl auf eine gerade Zahl runden. Soll die Weste zum Beispiel 112 cm Umfang haben, braucht das Rückenteil ungefähr 112 Maschen und jedes Vorderteil 56. Kontrolliere dabei, ob die Schulter- und Ausschnittform noch stimmig wirkt; die Maschenzahl allein ersetzt keine Anprobe.

Rückenteil: gerade beginnen und die Armausschnitte formen

Schlage mit der kleineren Nadel 108 Maschen an. Stricke sechs Zentimeter im Wechsel eine Masche rechts, eine Masche links. Das Bündchen soll nicht stark einziehen; falls es bei deiner Hand zu fest wird, nimm für den Anschlag eine halbe Nadelstärke mehr. Danach wechselst du zur größeren Nadel und strickst glatt rechts weiter: In den Hinreihen rechte Maschen, in den Rückreihen linke Maschen.

Bei 40 cm Gesamthöhe beginnt die Armlochformung. Kette zu Beginn der nächsten zwei Reihen jeweils vier Maschen ab, also einmal an jeder Seite. Danach nimmst du in jeder Hinreihe am Anfang und Ende je eine Masche ab, insgesamt fünfmal. Eine saubere Abnahme gelingt, wenn du am Reihenanfang zwei Maschen rechts zusammenstrickst und am Reihenende zwei Maschen überzogen zusammenstrickst. Damit bleibt die Kante ordentlich, auch wenn später ein schmales Armlochbündchen aufgenommen wird.

Stricke gerade weiter, bis das Rückenteil ungefähr 62 cm misst. Für den hinteren Halsausschnitt kettest du die mittleren 32 Maschen ab. Arbeite die beiden Schultern getrennt weiter. An jeder Halsausschnittkante kettest du in der folgenden Reihe einmal eine Masche ab. Die verbleibenden 29 Maschen jeder Schulter werden in drei Schritten abgekettet: 10, 10 und 9 Maschen. Wenn du eine leicht schräge Schulter möchtest, kannst du dafür verkürzte Reihen verwenden; für eine erste Weste ist das stufenweise Abketten jedoch gut handhabbar und wird durch die Naht kaum sichtbar.

Vorderteile: Ausschnitt und Armausschnitt gleichzeitig arbeiten

Schlage für das erste Vorderteil 54 Maschen an und stricke das Bündchen ebenfalls sechs Zentimeter. Danach arbeitest du glatt rechts. Das Armloch entsteht bei derselben Höhe wie am Rückenteil: Kette am äußeren Rand vier Maschen ab und nimm anschließend in jeder Hinreihe fünfmal eine Masche ab. Achte darauf, dass du beim zweiten Vorderteil die Form spiegelst. Es hilft, den äußeren Rand sofort mit einem kleinen Fadenstück zu markieren; so landet die Ausschnittabnahme nicht versehentlich auf der Armlochseite.

Beginne den V-Ausschnitt ebenfalls auf Höhe des Armlochbeginns. Am inneren Rand, also an der späteren vorderen Mitte, nimmst du eine Masche ab. Wiederhole diese Abnahme in jeder vierten Reihe, bis du sie insgesamt 16-mal gearbeitet hast. Für eine gleichmäßige Kante strickst du jeweils zwei Maschen vor dem Rand zusammen oder hebst eine Masche ab, strickst die nächste und ziehst die abgehobene darüber. Lass zwei Randmaschen stehen; sie bilden eine ruhige Linie, an der sich die Blende später gut aufnehmen lässt.

Nach den Armloch- und Ausschnittabnahmen bleiben 29 Maschen für die Schulter. Stricke das Vorderteil bis zur gleichen Höhe wie das Rückenteil und kette die Schulter in denselben drei Schritten ab. Das zweite Vorderteil wird gegengleich gearbeitet: Die Ausschnittabnahmen liegen an der anderen Kante. Wenn du unsicher bist, lege beide Teile nebeneinander, bevor du die Schulter abkettest. Die V-Spitzen sollten auf gleicher Höhe beginnen und die schrägen Ausschnittkanten ähnlich lang sein.

Zusammennähen und Blenden aufnehmen

Lege die Teile nach dem Waschen und Trocknen mit den rechten Seiten nach oben aus. Schließe zuerst die Schulternähte, danach die Seitennähte. Eine Matratzennaht ist für glatt rechts gestrickte Kanten meist unauffällig. Ziehe den Faden nicht zu fest an: Eine starre Seitennaht kann die Weste schmaler wirken lassen und fühlt sich beim Tragen unangenehm an. Probiere das fast fertige Stück über einem Hemd an, bevor du die Blenden strickst. So lässt sich noch prüfen, ob die Länge und die Weite an den Armlöchern passen.

Für die vordere Blende nimmst du mit der kleineren Nadel Maschen entlang der beiden Vorderkanten und des V-Ausschnitts auf. Als Richtwert kannst du an den senkrechten Kanten etwa drei Maschen aus vier Reihen aufnehmen; an schrägen Kanten nimmst du gleichmäßig verteilt auf. Zu viele Maschen lassen die Blende wellig werden, zu wenige ziehen den Ausschnitt zusammen. Stricke drei Zentimeter im Rippenmuster 1 rechts, 1 links und prüfe zwischendurch, ob die Kante flach liegt.

Wenn die Weste Knöpfe bekommen soll, arbeite auf einer Seite fünf oder sechs Knopflöcher ein. Verteile sie gleichmäßig und beginne nicht direkt an der Halskante oder am Bündchen. Ein schlichtes Knopfloch entsteht, indem du zwei Maschen abkettest und sie in der folgenden Reihe wieder anschlägst. Miss die Öffnung am tatsächlichen Knopf: Holz- und Hornknöpfe sind oft dicker als sie auf den ersten Blick wirken. Nach der Blende nimmst du Maschen rund um jeden Armausschnitt auf und strickst zwei Zentimeter Rippenmuster. Schließe locker ab, damit der Rand nicht in die Schulter einschneidet.

Passform prüfen, bevor der letzte Faden verschwindet

Vernähe die Fäden auf der linken Seite und wasche die Weste noch einmal nach den Angaben des Garns. Lege sie zum Trocknen flach hin und ziehe die Form nur sanft zurecht. Beim Anprobieren achte besonders darauf, ob die Schulternaht auf dem Schulterpunkt sitzt und der V-Ausschnitt genug Platz für den Hemdkragen lässt. Eine kleine Abweichung an der Blende lässt sich oft noch korrigieren; eine zu kurze Weste oder ein zu enger Brustbereich dagegen kaum.

Wenn die erste selbstgestrickte Herrenweste am Ende nicht millimetergenau aussieht, ist das kein Grund, sie als misslungen zu betrachten. Gerade an den Kanten sieht man, wie sich Garn und Handspannung verhalten, und beim nächsten Stück lässt sich das gezielt einplanen. Eine gute Weste muss nicht vollkommen glatt und fabrikmäßig wirken. Sie sollte bequem sitzen, gern getragen werden und beim Anziehen daran erinnern, dass jede Masche durch die eigenen Hände gegangen ist.

Foto von Nadia Clabassi auf Unsplash

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