Bei gehäkelten Taschen zeigt sich oft erst nach den ersten Einkäufen, ob das Modell wirklich alltagstauglich ist. Eine zu weiche Tasche hängt dann fast bis zu den Knien, und ein schmaler Henkel schneidet unangenehm in die Schulter. Für diese Anleitung habe ich deshalb eine feste, rechteckige Tasche mit stabilem Boden und direkt eingearbeiteten Henkeln gewählt. Sie kommt ohne komplizierte Muster aus und lässt sich gut an die eigene Wunschgröße anpassen.
Die Tasche wird in festen Maschen gearbeitet. Erst entsteht der Boden in Reihen, danach häkeln Sie rundherum die Seiten nach oben. Das klingt vielleicht weniger nahtlos als ein Boden in Runden, hat aber einen praktischen Vorteil: Die Form und Größe lassen sich beim Arbeiten gut kontrollieren. Mit mitteldickem Baumwollgarn wird das fertige Modell ungefähr 27 cm breit und 27 cm tief; die Seiten werden etwa 25 cm hoch.
Material und Maschenprobe
Sie brauchen etwa 450 bis 550 g Baumwollgarn für eine Häkelnadel der Stärke 4 bis 4,5 mm. Die genaue Menge hängt davon ab, wie fest Sie häkeln und ob Sie ein zusätzliches Innenfutter einarbeiten möchten. Ein Garn mit etwas Stand eignet sich besser als ein sehr weiches, stark gedrehtes Garn. Ich würde vor Beginn einmal eine kleine Stoffprobe häkeln und sie in der Hand zusammendrücken: Gibt sie deutlich nach und rollt sich zusammen, ist das Gestrick für eine Einkaufstasche wahrscheinlich zu locker.
Die Maschenprobe sollte ungefähr 15 feste Maschen und 14 Reihen auf 10 cm ergeben. Liegen Sie weit darüber, nehmen Sie eine größere Nadel; ist die Probe deutlich größer, versuchen Sie es mit einer kleineren. Für die Tasche sind die Maße wichtiger als die Nadelnummer auf der Banderole. Legen Sie außerdem eine Schere, eine Wollnadel und zwei Maschenmarkierer bereit. Die Markierer helfen später, die Ecken des Bodens wiederzufinden.
Abkürzungen und Maschen
Verwendet werden Luftmaschen und feste Maschen. Eine Luftmasche am Reihenanfang zählt nicht als Masche. Bei den festen Maschen stechen Sie unter beide Schlingen der Masche ein, sofern nicht ausdrücklich nur das hintere Maschenglied genannt wird. Für eine feste Kante arbeiten Sie die Maschen gleichmäßig, aber ohne den Faden fest anzuziehen. Zu straffe Randmaschen machen es später unnötig schwer, die Seiten des Bodens sauber aufzunehmen.
Der Boden: erst in Reihen, dann rundherum
Schlagen Sie 37 Luftmaschen an. In die zweite Luftmasche von der Nadel aus häkeln Sie eine feste Masche, danach in jede Luftmasche bis zum Reihenende. Sie haben nun 36 feste Maschen. Arbeiten Sie insgesamt 38 Reihen mit je 36 festen Maschen. Die erste Reihe kann sich anfangs etwas schmal anfühlen; nach einigen Reihen lässt sich die Form besser beurteilen. Zählen Sie gelegentlich nach, denn eine versehentlich ausgelassene Randmasche macht den Boden schnell schief.
Nach der letzten Reihe den Faden nicht abschneiden. Drehen Sie das Rechteck so, dass Sie an einer langen Seite entlanghäkeln können. Arbeiten Sie eine Runde feste Maschen um den gesamten Boden: An den kurzen Enden häkeln Sie jeweils eine feste Masche in jedes Reihenende, an den beiden langen Seiten eine feste Masche in jede vorhandene Masche. In jede der vier Ecken kommen drei feste Maschen in denselben Eckbereich. So kann sich der Rand um die Ecke legen, ohne dass der Boden nach innen zieht. Setzen Sie an den Ecken Markierer in die mittlere Masche der jeweiligen Dreiergruppe.
Für die nächste Runde häkeln Sie nur in das hintere Maschenglied. Das ergibt eine kleine, sichtbare Kante und sorgt dafür, dass die Tasche an der Bodenlinie nach oben klappt. Ziehen Sie die Ecken dabei nicht zusammen. Wenn sich das Rechteck wellt, haben sich wahrscheinlich zu viele Maschen an den Seiten eingeschlichen; zieht es sich deutlich nach oben, fehlt meist eine Masche an einer Ecke oder entlang der Kante.
Die Seiten gleichmäßig hochhäkeln
Häkeln Sie nun weiter in festen Maschen, diesmal wieder durch beide Maschenglieder. Arbeiten Sie in geschlossenen Runden und beenden Sie jede Runde mit einer Kettmasche in die erste feste Masche. Beginnen Sie die nächste Runde mit einer Luftmasche. Sie zählt nicht als Masche. Setzen Sie den Rundenanfang möglichst an eine kurze Seite, dort fällt ein kleiner Übergang weniger auf als mitten auf der Vorderseite.
Arbeiten Sie so lange, bis die Seiten ab der Bodenlinie ungefähr 23 bis 25 cm hoch sind. Bei der genannten Maschenprobe sind das etwa 33 bis 35 Runden. Die Zahl ist nur ein Richtwert: Baumwollgarne können sich trotz ähnlicher Stärke unterschiedlich verhalten. Messen Sie die Höhe an mehreren Stellen und achten Sie darauf, dass die Tasche nicht schräg wird. Wenn Sie ein Streifenmuster möchten, wechseln Sie die Farbe am Rundenende und vernähen Sie die Fäden auf der Innenseite, bevor sie sich beim Tragen lösen können.
Ein kleiner Erfahrungswert zur Form: Feste Maschen geben der Tasche bereits recht viel Halt, doch ein voll gepackter Beutel wird trotzdem etwas länger. Wer häufig schwere Dinge transportiert, kann die Seiten mit einer halben Nadelstärke kleiner häkeln als den Boden. Die Spannung sollte dabei nicht so fest werden, dass sich die Tasche nach innen verzieht. Eine einfache Probe mit einem gefüllten Stoffbeutel hilft, das Gefühl für die nötige Festigkeit zu bekommen.
Henkel mit Öffnungen einarbeiten
Die Henkel entstehen in der letzten Runde der Seiten. Markieren Sie auf den beiden langen Seiten jeweils die Mitte. Lassen Sie an jeder Markierung insgesamt 14 Maschen aus, also sieben Maschen links und sieben rechts davon. Diese Öffnungen ergeben Henkel von ungefähr 9 cm Breite. Ist die Tasche breiter oder wünschen Sie schmalere Henkel, können Sie die Zahl anpassen; wichtig ist, dass beide Öffnungen gleich groß und genau gegenüberliegen.
Häkeln Sie bis zur ersten markierten Stelle feste Maschen. Arbeiten Sie dann 14 Luftmaschen und überspringen Sie die folgenden 14 Maschen der Taschenwand. Häkeln Sie weiter bis zur gegenüberliegenden langen Seite und wiederholen Sie dort die Luftmaschenkette. Schließen Sie die Runde wie gewohnt. In der nächsten Runde häkeln Sie feste Maschen in jede Masche und zusätzlich in jede Luftmasche des Henkels. Damit die Öffnung nicht ausleiert, arbeiten Sie anschließend noch eine weitere Runde feste Maschen über den gesamten oberen Rand. An den Übergängen zwischen Henkel und Taschenrand lohnt es sich, die Maschen etwas dichter zu setzen, aber nicht so eng, dass sich kleine Beulen bilden.
Schneiden Sie den Faden erst nach der letzten Runde ab und ziehen Sie das Ende durch die Schlaufe. Vernähen Sie es mit einer Wollnadel auf der Innenseite, indem Sie es einige Zentimeter durch die Rückseiten der Maschen führen. Bei den Henkelansätzen sichere ich den Faden zusätzlich mit ein paar kleinen Stichen. Gerade dort arbeitet die Tasche bei jedem Anheben am stärksten.
Form geben und die Tasche im Alltag prüfen
Vor dem ersten Gebrauch lohnt sich ein kurzer Belastungstest. Legen Sie ein Buch oder eine gefüllte Wasserflasche hinein und heben Sie die Tasche an beiden Henkeln an. So sehen Sie, ob der Boden ausreichend flach bleibt und die Henkel angenehm in der Hand liegen. Wenn sich die Henkel stark verlängern, können Sie sie mit einer zusätzlichen Runde feste Maschen verstärken oder später ein schmales Band aus Stoff auf der Innenseite annähen.
Ein Futter ist kein Muss, macht die Tasche aber vielseitiger. Besonders bei lockerem Garn verhindert ein leichtes Baumwollfutter, dass Schlüssel oder kleine Gegenstände durch die Maschen rutschen. Nähen Sie es lieber mit etwas Spielraum ein, statt es straff zu spannen; sonst zieht es die gehäkelte Form zusammen. Waschen Sie die Tasche bei Bedarf schonend und lassen Sie sie liegend trocknen. Hängend trocknet sie zwar schneller, kann sich unter ihrem Eigengewicht aber verziehen.
Die Größe nach dem ersten Modell verändern
Für eine kleinere Tasche können Sie beim Boden weniger Luftmaschen anschlagen und einige Reihen weglassen. Für ein größeres Modell sollten Breite und Länge des Bodens gemeinsam wachsen, damit die Tasche nicht ungewöhnlich schmal oder tief wird. Halten Sie beim Anpassen die Maschenprobe im Blick: Ein Unterschied von wenigen Maschen wirkt auf dem flach liegenden Boden klein, verändert aber später auch den Umfang der Seiten und den Abstand der Henkel.
Am angenehmsten finde ich an diesem schlichten Modell, dass man beim Häkeln nicht ständig auf ein Muster achten muss. Die Arbeit wird dadurch nicht nebensächlich: Gerade die gleichmäßigen Kanten, die festen Ecken und die sorgfältig verstärkten Henkel entscheiden darüber, ob die Tasche nach einigen Wochen noch ihre Form behält. Wenn sie fertig ist, sieht man ihr die vielen kleinen Entscheidungen kaum an. Beim Tragen merkt man sie dafür jedes Mal.
Foto von Karina L auf Unsplash
Aus alten Dingen etwas Neues machen? Genau solche Projekte sorgen für Begeisterung. Besonders spannend wird es, wenn einfache Materialien, ungewöhnliche Einfälle und ein bisschen Improvisation zusammenkommen.

