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Bobbiny-Tasche: Anleitung – Wie sich mit Bobbiny-Garn Schritt für Schritt eine praktische Tasche anfertigen lässt

Bobbiny-Tasche: Anleitung – Wie sich mit Bobbiny-Garn Schritt für Schritt eine praktische Tasche anfertigen lässt

Bei meiner ersten Tasche aus Bobbiny-Garn war nicht der Anfang knifflig, sondern die Frage, wann der Boden endlich groß genug ist. Die ersten Runden sehen auf dem Tisch oft klein und beinahe schüsselförmig aus; erst nach und nach wird daraus eine brauchbare Fläche. Das ist kein Fehler, sondern bei einem runden Boden normal. Wer mit gleichmäßiger Spannung häkelt und die Zunahmen sauber verteilt, bekommt eine stabile Tasche, die auch ohne Futter ihre Form behält.

Die folgende Anleitung ergibt eine kompakte Alltagstasche mit rundem Boden, etwa 22 bis 24 cm Höhe und zwei angenähten Henkeln. Die Maße hängen ein wenig davon ab, wie fest du häkelst. Bobbiny-Garn ist ein geflochtenes Baumwollkordelgarn: Es trägt sich angenehm, hat aber deutlich mehr Stand als gewöhnliches Baumwollgarn. Genau deshalb lohnt es sich, vor dem Start ein kleines Probestück zu machen.

Material und ein kurzer Griff zur Häkelnadel

Für das hier beschriebene Modell verwende ich 5-mm-Bobbiny-Garn und eine Häkelnadel der Stärke 8 mm. Falls deine Maschen sehr fest ausfallen, probiere 9 mm; bei einer lockeren Hand kann eine 7-mm-Nadel besser passen. Entscheidend ist nicht die Zahl auf der Nadel, sondern dass sich die Maschen gut bewegen lassen und der Boden flach liegt. Für die Tasche solltest du ungefähr 900 bis 1.200 g Garn einplanen. Kaufe lieber etwas mehr aus derselben Farbpartie, besonders wenn du auch die Henkel daraus arbeitest.

Material Wofür es sich eignet Was du beachten solltest
5-mm-Kordelgarn Standfeste Tasche mit markanter Struktur Die Maschen werden schnell dick; nicht zu fest anziehen
3-mm-Kordelgarn Leichtere, feinere Tasche Mehr Runden und meist eine kleinere Nadel verwenden
Häkelnadel 8–9 mm Passend zu vielen 5-mm-Kordeln Mit einem Probestück die Spannung prüfen
Nähnadel und Markierer Zum Vernähen und Zählen der Runden Ein Markierer verhindert, dass der Rundenanfang verrutscht

Gehäkelt wird überwiegend mit festen Maschen. Eine Luftmasche dient als Übergang am Rundenanfang und zählt in dieser Anleitung nicht als Masche. Markiere die erste Masche jeder Runde. Bei dickem Garn kann man den Rundenanfang leicht übersehen, und eine unbemerkte zusätzliche Masche macht den Rand mit der Zeit schief.

Der Boden: klein anfangen und die Zunahmen zählen

Beginne mit einem Fadenring und häkle acht feste Maschen hinein. Ziehe den Ring zu und markiere die erste Masche. Arbeite nun in fortlaufenden Runden. In jeder Runde kommen acht Maschen hinzu: In Runde zwei häkelst du in jede Masche zwei feste Maschen. Das ergibt 16 Maschen. In Runde drei wiederholst du „eine feste Masche, zwei feste Maschen in die nächste Masche“ achtmal; danach liegen 24 Maschen auf der Runde.

So geht es weiter: In der vierten Runde kommen zwei feste Maschen zwischen die Zunahmen, in der fünften drei, in der sechsten vier. Nach jeder Runde sollte die Maschenzahl um acht steigen. Bei Runde acht bist du bei 64 Maschen. Der Boden sollte sich nun auf einer ebenen Fläche ausbreiten. Wölbt er sich deutlich nach oben, brauchst du wahrscheinlich mehr Zunahmen oder eine größere Nadel. Bildet sich ein welliger Rand, sind die Zunahmen zu häufig oder die Maschen zu locker. Ein leichtes Schüsseln am Anfang ist dagegen kein Grund, alles aufzutrennen.

Die genaue Größe lässt sich nicht allein aus der Maschenzahl ablesen: Kordel, Nadel und persönliche Spannung spielen zusammen. Wenn du eine breitere Tasche möchtest, kannst du die Zunahmen noch zwei Runden fortsetzen. Für ein handliches Modell reichen 64 Maschen meist aus. Ich lege den Boden gern neben ein Buch oder einen Teller ähnlicher Größe – so sieht man schnell, ob die Fläche für den geplanten Alltag passt.

Vom flachen Kreis zur Taschenwand

Damit die Seiten nach oben wachsen, häkle eine Runde lang nur in das hintere Maschenglied. Die festen Maschen sitzen dadurch wie eine kleine Kante am Boden. Dieser Übergang ist bei einer runden Tasche nützlich: Ohne ihn läuft der Boden optisch weich in die Seitenwand über, und die Tasche kann weniger klar stehen. Arbeite danach wieder durch beide Maschenglieder und häkle die 64 Maschen Runde für Runde ohne Zunahmen weiter.

Für eine Tasche mit eher gerader Wand reichen ungefähr 20 bis 23 Runden. Miss die Höhe zwischendurch, statt dich allein auf die Rundenzahl zu verlassen. Dicke Kordel kann je nach Häkelspannung pro Runde unterschiedlich viel Höhe ergeben. Auch der spätere Henkelansatz nimmt optisch etwas Platz ein. Wenn du die Tasche häufig für Einkäufe nutzt, sind ein paar zusätzliche Zentimeter praktisch; für Schlüssel, Geldbörse und Trinkflasche wirkt ein niedrigeres Modell oft ausgewogener.

Achte darauf, dass du am Rundenanfang nicht unabsichtlich eine Treppe entstehen lässt. Bei Spiralrunden gibt es keinen sichtbaren Abschluss. Wenn dich der leicht versetzte Übergang stört, kannst du die letzte Runde mit einer Kettmasche schließen und mit einer Luftmasche neu beginnen. Zieh die Kettmasche nicht fest – sie soll den Rand verbinden, nicht zusammenziehen. Eine unauffällige Stelle am späteren Henkel ist ein guter Platz für den Übergang.

Henkel, die nicht nach kurzer Zeit ausleiern

Für zwei Schulterhenkel schlage sieben Luftmaschen an und häkle ab der zweiten Luftmasche sechs feste Maschen. Wende mit einer Luftmasche und arbeite weitere Reihen, bis der Streifen ungefähr 45 bis 50 cm lang ist. Häkle einen zweiten Streifen in derselben Länge. Die Breite von etwa sechs Maschen liegt gut in der Hand und schneidet weniger ein als ein schmaler Kordelhenkel.

Stecke die Henkel zunächst mit Maschenmarkierern fest und probiere die Tasche an. Platziere sie gegenüberliegend und lass zwischen den beiden Ansätzen auf jeder Seite einen gleichmäßigen Abstand. Nähe jedes Henkelende über eine Fläche von etwa fünf Zentimetern an die Taschenwand. Mehrere Reihen mit kräftigem Garn halten besser als ein einzelner schmaler Nahtstrich. Bei einer Tasche, die regelmäßig schwere Einkäufe trägt, kannst du zusätzlich ein Stück Baumwollband auf der Innenseite mitfassen. Es verteilt die Zugkraft und verhindert, dass sich die Henkelansätze mit der Zeit nach oben ziehen.

Eine zweite Möglichkeit ist, die Henkel direkt an die Tasche zu häkeln. Das geht schneller, verlangt aber eine sorgfältige Planung der Öffnungen und Verstärkungen. Für ein erstes Modell finde ich angenähte Henkel unkomplizierter: Ihre Länge lässt sich vor dem Befestigen prüfen, und ein schiefer Ansatz kann noch korrigiert werden.

Was beim Arbeiten gern schiefgeht

  • Der Boden wird wellig: Prüfe zuerst, ob du wirklich nur acht Zunahmen pro Runde gearbeitet hast. Wenn die Maschen sehr locker sind, hilft eine kleinere Nadel.
  • Die Tasche zieht sich zusammen: Häkle die Seiten nicht mit Gewalt fest. Bei dicker Kordel ist eine gleichmäßige, eher entspannte Spannung angenehmer und formt einen weicheren Rand.
  • Die Seiten kippen nach außen: Kontrolliere, ob du nach dem Boden versehentlich weiter zugenommen hast. Die Wand wird ohne zusätzliche Zunahmen gearbeitet.
  • Der Henkel wirkt zu lang: Kordel und gehäkelte Streifen geben unter Gewicht nach. Probiere die Länge vor dem Annähen aus und rechne mit etwas Dehnung.

Am Ende vernähst du die Garnenden auf der Innenseite. Bei Kordelgarn lässt sich ein dickes Ende nicht so unsichtbar verstecken wie ein dünner Faden. Führe es deshalb einige Zentimeter durch benachbarte Maschen und sichere es, ohne den Stoff zusammenzuziehen. Schneide nicht direkt an der letzten Masche ab: Ein kleiner Rest lässt sich später leichter nacharbeiten, falls sich das Ende lockert.

Die fertige Tasche im Alltag

Eine ungefütterte Tasche aus Bobbiny-Garn ist robust, aber nicht automatisch für jeden Inhalt geeignet. Kleine Gegenstände können durch die Zwischenräume der Maschen rutschen. Ein einfaches Stofffutter schützt sie und gibt der Tasche zusätzlich Halt. Wenn du eines einnähst, sollte es nicht straff gespannt sein; ein wenig Bewegungsfreiheit verhindert, dass die Seiten beim Tragen nach innen gezogen werden.

Nach dem Häkeln muss die Tasche meist nicht aufwendig in Form gebracht werden. Streiche den Boden glatt und lass das Stück trocken liegen, statt es mit Dampf zu behandeln – Hitze kann die Kordel verändern. Mit der Zeit wird die Tasche unter Last weicher. Das ist kein Makel, sondern Teil des Materials. Gerade deshalb lohnt es sich, den Boden und die Henkel sorgfältig zu arbeiten: Sie entscheiden darüber, ob die Tasche nur hübsch aussieht oder wirklich gern mitgenommen wird.

Wenn du beim ersten Versuch an einer Stelle unzufrieden bist, trenne nicht gleich das ganze Stück auf. Bei diesem Garn lassen sich einzelne Runden gut erkennen, und kleine Unterschiede fallen im fertigen Gebrauch weniger auf als eine zu schwere oder schlecht sitzende Tasche. Die beste Orientierung ist am Ende nicht ein vollkommen gleichmäßiger Kreis, sondern ein Modell, das sich in der Hand richtig anfühlt und Platz für genau das bietet, was du täglich dabeihast.

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