Wie bekommt man aus ein paar Holzböcken einen Weihnachtsbaum, der nicht nach improvisierter Baustellenablage aussieht? Die Antwort liegt weniger in aufwendigen Verzierungen als in sauberen Proportionen. Bei einem solchen Baum dürfen Schrauben und Holz ruhig sichtbar bleiben; schief sitzende Ebenen fallen dagegen sofort auf. Ich baue die Konstruktion deshalb aus vier unterschiedlich breiten Bock-Modulen, die an einem senkrechten Mittelholm sitzen. So entsteht ein stabiler Baum mit einer klaren, handwerklichen Form, der sich nach Weihnachten auch wieder zerlegen lässt.
Die Form zuerst festlegen
Der Baum in dieser Anleitung wird etwa 150 Zentimeter hoch und steht frei im Raum. Sein Grundgerüst besteht aus einem senkrechten Holzholm und vier waagerechten Querbalken, die von schrägen Streben gestützt werden. Jedes dieser kleinen Dreiecke erinnert an einen Holzbock: Der Querbalken bildet die „Auflage“, die Streben leiten das Gewicht zurück zum Mittelholm. Von vorn gelesen ergibt sich eine Tannenbaum-Silhouette, von der Seite eine leichte räumliche Staffelung.
Für ein ruhigeres, eher grafisches Bild lassen sich alle Querbalken in dieselbe Richtung drehen. Soll der Baum frei im Raum stehen und aus verschiedenen Blickwinkeln interessant wirken, drehe ich die Ebenen abwechselnd um 90 Grad. Dabei darf der unterste Balken nicht zu kurz geraten – sonst wirkt die Konstruktion kopflastig, selbst wenn sie technisch noch steht. Die folgende Maßaufteilung ist ein guter Ausgangspunkt für einen Baum in normaler Wohnraumhöhe:
| Bauteil | Anzahl und Maß | Hinweis |
|---|---|---|
| Mittelholm | 1 Stück, 40 × 40 × 155 cm | Gerades, trockenes Konstruktionsholz |
| Querbalken | 4 Stück, 80 / 64 / 48 / 32 cm lang | Etwa 30 × 50 mm Querschnitt |
| Schrägstreben | 8 Stück, etwa 25 × 40 mm | Länge nach dem Anpassen zuschneiden |
| Fußkreuz | 2 Stück, je 50 cm lang | Zum Kippschutz unter dem Holm |
Die Strebenlängen sind bewusst nicht auf den Millimeter festgelegt. Je nachdem, wie weit die Balken aus dem Mittelholm herausragen und wie steil die Streben stehen sollen, ändert sich das Maß ein wenig. Ich säge sie lieber zunächst etwas länger und passe sie direkt am Holz an. Das spart Ärger mit einer Strebe, die am Ende einen kleinen Spalt zum Holm hat.
Holz, Werkzeug und Vorbereitung
Für den Mittelholm eignet sich gerades Fichten- oder Kiefernholz. Bei den Querbalken und Streben kann dasselbe Material verwendet werden; besonders schön wirkt es, wenn die Maserung nicht völlig unterschiedlich ausfällt. Eine gehobelte Oberfläche ist angenehmer zu bearbeiten, aber nicht zwingend nötig. Bei sägerauem Holz sollten Sie vor dem Zusammenbau die Kanten brechen und die Flächen schleifen – vor allem dort, wo später Lichterketten oder Schmuck entlanggeführt werden.
Sie brauchen eine Säge, einen Akkuschrauber, einen Winkel, ein Maßband und zwei Schraubzwingen. Für die Verbindung reichen passende Holzschrauben; bei diesem Aufbau verwende ich üblicherweise 5 × 70 mm für die Streben und kürzere Schrauben für das Fußkreuz. Bohren Sie die Schraublöcher vor, besonders nahe an den Enden der schmalen Streben. Holz reißt dort schneller auf, als man beim Einschrauben denkt. Ein Senker sorgt außerdem dafür, dass die Schraubenköpfe bündig sitzen.
Schleifen Sie die Einzelteile vor dem Zusammenbau zumindest grob mit Körnung 80 oder 100. Nach dem Verschrauben kommt man an die Innenseiten der Bock-Dreiecke nur noch umständlich heran. Für einen naturbelassenen Baum genügt anschließend ein feiner Schliff mit Körnung 120. Wer die Oberfläche ölen oder streichen möchte, sollte das ebenfalls vor der Montage erledigen und die Farbe vollständig trocknen lassen.
Die Bock-Ebenen sauber montieren
Markieren Sie am Mittelholm zunächst die Höhen der vier Querbalken. Für die genannten Maße passen ungefähr 30, 60, 90 und 120 Zentimeter über dem Fußboden. Die Abstände müssen nicht exakt gleich sein: Nach unten hin darf die Konstruktion etwas mehr Luft bekommen, damit der Baum nicht wie ein gleichmäßiger Regalständer wirkt. Zeichnen Sie jede Position mit Winkel rund um den Holm an. So können Sie später auch kontrollieren, ob die Balken gerade sitzen.
Beginnen Sie mit dem untersten Querbalken. Legen Sie ihn waagerecht an den Holm und richten Sie ihn mit einer Wasserwaage aus. Eine Schraubzwinge hält ihn, während Sie ihn vorbohren und zunächst mit einer Schraube sichern. Kontrollieren Sie die Ausrichtung noch einmal, bevor Sie die zweite Schraube setzen. Erst danach passen Sie die beiden schrägen Streben an: Eine Strebe läuft von jedem Balkenende schräg nach innen und unten zum Mittelholm. Zusammen mit dem Holm entsteht so ein steifes Dreieck. Die Streben sollten spiegelbildlich sitzen; kleine Unterschiede sieht man später besonders deutlich an den äußeren Kanten.
Mit den drei oberen Ebenen verfahren Sie genauso. Achten Sie darauf, die Querbalken mittig am Holm auszurichten und die schmaleren Stücke nach oben zu setzen. Wenn die Balken abwechselnd um 90 Grad gedreht werden, markieren Sie die Richtung vor dem Verschrauben mit einem Bleistift. Sonst ist es erstaunlich leicht, zwei Ebenen versehentlich gleich auszurichten. Für eine dauerhaft feste Verbindung kann ein wenig Holzleim zwischen Strebe und Holm helfen. Die Schrauben übernehmen jedoch die eigentliche Haltekraft; Leim allein gleicht keine schlecht anliegenden Teile aus.
Arbeiten Sie ohne Hast: Eine sauber ausgerichtete untere Ebene erleichtert alles, was danach kommt. Wenn der erste Balken sichtbar schief sitzt, sollte man ihn gleich korrigieren und nicht hoffen, dass die oberen Teile den Eindruck später ausgleichen. Das tun sie selten.
Standfestigkeit ist kein Dekorationsdetail
Ein hoher, schmaler Baum kann beim Anstoßen kippen. Unter den Mittelholm kommt deshalb ein Fußkreuz aus zwei Brettern, die mittig miteinander verbunden werden. Eine einfache Überblattung ist stabil und lässt sich mit Säge und Stechbeitel herstellen; wer es unkomplizierter mag, verschraubt die beiden Teile flach übereinander. Befestigen Sie den Holm mittig auf dem Kreuz und prüfen Sie den Stand auf dem späteren Fußboden. Auf glatten Fliesen helfen dünne Filz- oder Gummipads, sie sollten aber nicht so weich sein, dass der Baum wackelt.
Drücken Sie den fertig montierten Baum leicht von verschiedenen Seiten an. Er sollte sich nicht deutlich verwinden und nach dem Loslassen wieder ruhig stehen. Bei einem Haushalt mit kleinen Kindern, Haustieren oder häufigem Durchgangsverkehr würde ich ihn zusätzlich an einer unauffälligen Stelle gegen Umkippen sichern, etwa mit einem dünnen Band an einer Wandöse. Der Baum ist ein Dekorationsobjekt, kein belastbares Regal; schwere Töpfe oder große Glasdekoration gehören nicht auf die Querbalken.
Oberfläche und Schmuck mit Maß
Unbehandeltes Holz passt gut zu einer schlichten Einrichtung und bekommt mit der Zeit eine angenehm matte Oberfläche. Für einen etwas festlicheren Ton können Sie die Kanten weiß lasieren oder einzelne Balken farbig absetzen. Ich würde nicht alle Flächen deckend lackieren: Gerade bei dieser Konstruktion lebt der Eindruck davon, dass man die Holzstücke und ihre Verbindungen noch erkennt. Testen Sie Beize oder Öl an einem Reststück, denn Fichte nimmt Farbe oft fleckiger auf als erwartet.
Die Querbalken eignen sich für kleine Kugeln, Papiersterne oder eine leichte Lichterkette. Führen Sie Kabel so, dass sie nicht straff über scharfe Kanten gezogen werden, und verwenden Sie für die Beleuchtung ein geprüftes Produkt. Offene Kerzen sind an einer Holzkonstruktion keine gute Idee. Ein einzelner Stern am oberen Ende reicht meist als Abschluss; ein schwerer Metallaufsatz kann den Baum dagegen unnötig kopflastig machen. Wenn Sie Zweige ergänzen möchten, befestigen Sie sie mit dünnem Draht oder wiederlösbaren Kabelbindern und verteilen Sie das Gewicht auf mehrere Ebenen.
Ein Baum, der nach Weihnachten nicht im Weg steht
Mit lösbaren Schrauben an den Streben oder mit kleinen Flügelmuttern lässt sich die Konstruktion für die Lagerung zerlegen. Markieren Sie die Ebenen auf der Rückseite mit kleinen Zahlen, dann sind sie im nächsten Winter rasch wieder an der richtigen Stelle. Die Schrauben sollten trotzdem fest genug sitzen, dass beim Schmücken nichts nachgibt. Vor dem Einlagern genügt meist ein trockenes Abwischen; feuchtes Holz sollte nicht in einen geschlossenen Karton gepackt werden.
Am Ende gefällt mir an diesem Baum gerade, dass er nicht versucht, eine echte Tanne nachzuahmen. Die kleinen Unregelmäßigkeiten im Holz und die sichtbaren Streben erzählen, wie er gebaut wurde. Wenn Sie beim ersten Aufbau merken, dass eine Ebene zu breit oder ein Abstand zu eng wirkt, ändern Sie das Maß, bevor Sie alles endgültig verschrauben. Bei einem Werkstattstück darf die eigene Wohnung ruhig mitentscheiden, wie der Baum aussehen soll.
Foto von Hennie Möller auf Unsplash
Zwischen Wolle, Garn und kreativen Experimenten vergeht die Zeit oft wie im Flug. Kleine Unregelmäßigkeiten gehören zum Selbermachen dazu und machen jedes Stück ein bisschen einzigartig. Besonders schön sind Projekte, die nicht nur dekorativ aussehen, sondern im Alltag einen echten Platz finden.

