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Durchgedrehte Schrauben lösen – So lassen sich beschädigte oder rundgedrehte Schrauben entfernen

Durchgedrehte Schrauben lösen – So lassen sich beschädigte oder rundgedrehte Schrauben entfernen

Der Schraubenkopf sieht oft harmloser aus, als die Sache ist: ein paar abgeschabte Kanten, ein glänzender Ring um den Antrieb – und der Bit rutscht beim nächsten Versuch wieder heraus. An diesem Punkt wird meist fester gedrückt und schneller gedreht. Genau das macht die Reparatur häufig schwieriger. Ich habe schon Schrauben erlebt, die sich mit einem passenden Bit und etwas Geduld lösen ließen, nachdem vorher mehrere Werkzeuge daran gescheitert waren. Entscheidend ist, zuerst zu erkennen, was beschädigt ist und warum der Schraubenkopf keinen Halt mehr bietet.

„Durchgedreht“ kann Verschiedenes bedeuten. Manchmal ist nur der Antrieb im Kopf ausgenudelt. Manchmal dreht sich die Schraube im Werkstoff, ohne herauszukommen, weil das Gewinde keinen Halt mehr hat. Und gelegentlich bewegt sich der Kopf gar nicht, obwohl der Bit scheinbar greift – dann sitzt meist das Gewinde fest oder ist korrodiert. Die passende Methode hängt davon ab. Wer ohne Unterscheidung gleich zum Bohrer oder Schraubenausdreher greift, riskiert, aus einer lösbaren Schraube ein größeres Werkstattproblem zu machen.

Erst prüfen, dann Kraft einsetzen

Bevor ich ein Werkzeug ansetze, schaue ich mir den Schraubenkopf bei gutem Licht an. Ist der Kreuzschlitz noch erkennbar, oder sind die Flanken bereits rund? Passt der Bit wirklich zum Antrieb? Ein Pozidriv-Bit sieht einem Phillips-Bit ähnlich, sitzt aber nicht gleich. Bei einem falschen Bit kann man erstaunlich viel Kraft aufwenden, ohne dass die Spitze sauber greift. Bei Torx-Schrauben gilt dasselbe: Schon eine Größe zu klein kann den Eindruck erwecken, sie würde passen, während sie unter Belastung über die Kanten rutscht.

Den Schraubenkopf außerdem von Farbe, Schmutz und Rostkrümeln befreien. Ein kleiner Pick oder eine harte Bürste reicht oft. Danach den Bit gerade einsetzen und von Hand prüfen, ob er möglichst tief und ohne merkliches Spiel sitzt. Ein passender, unbeschädigter Bit ist der wichtigste erste Schritt; ein abgenutzter Bit kann selbst einen noch brauchbaren Schraubenkopf endgültig ruinieren. Bei einer Schraube, die sich in Holz befindet, kann zusätzlich ein leichter Druck auf das Werkstück helfen, das Bauteil zu stabilisieren. Bei dünnem Blech sollte man dagegen darauf achten, es nicht durch den Druck zu verbiegen.

Wenn der Antrieb noch halbwegs intakt ist, beginne ich mit kontrolliertem Druck entlang der Schraubenachse. Das bedeutet nicht, sich mit dem ganzen Körpergewicht auf den Schraubendreher zu stemmen. Der Bit soll fest im Kopf bleiben, während die Drehbewegung langsam und gleichmäßig erfolgt. Ein Handschraubendreher gibt dabei oft mehr Gefühl als ein Akkuschrauber. Dessen Drehzahl und Nachlauf können dafür sorgen, dass die Spitze im entscheidenden Moment herausspringt.

Wenn der Bit noch greifen kann

Bei einem leicht beschädigten Kreuzschlitz kann ein neuer, exakt passender Bit noch funktionieren. Manchmal hilft auch ein breiteres, flaches Werkzeug, sofern die Geometrie des Kopfes das zulässt. Ich setze es nur dann ein, wenn die Spitze tatsächlich auf den Flanken aufliegt – nicht, wenn sie bloß auf dem Grund des beschädigten Schlitzes herumrutscht. Eine dünne Lage raues Schleifpapier zwischen Bit und Kopf wird gelegentlich als Trick empfohlen. Sie kann bei sehr geringem Verschleiß etwas Reibung schaffen, ist aber kein Ersatz für einen passenden Antrieb und funktioniert bei stark rundgedrehten Köpfen meist nicht.

Eine andere Möglichkeit ist ein manueller Schlagschrauber. Er wird mit dem passenden Bit in den Schraubenkopf gesetzt und durch einen Hammerschlag gleichzeitig nach unten gedrückt und in eine Richtung gedreht. Das kann fest sitzende Schrauben lösen, weil der Schlag den Bit im Antrieb hält und einen kurzen Drehimpuls erzeugt. Das Werkzeug muss dabei gerade angesetzt sein. Bei Kunststoffteilen, dünnem Blech, empfindlichen Platinen oder spröden Gussteilen ist diese Methode ungeeignet: Der Schlag kann mehr beschädigen als die festsitzende Schraube.

Bei korrodierten Schrauben hilft manchmal ein Kriechöl. Es braucht Zeit, um in den Spalt zwischen Gewinde und Material zu gelangen; ein kurzer Sprühstoß unmittelbar vor dem Drehen bringt selten viel. Öl gehört allerdings nicht auf Bremsflächen, elektrische Kontakte oder Stellen, an denen es Holz oder andere poröse Materialien verfärben könnte. Auch Wärme kann festsitzende Metallverbindungen lösen, weil sich die Bauteile unterschiedlich ausdehnen. In der Nähe von Kunststoff, Lack, Kraftstoff, Dichtungen oder Elektronik lasse ich diese Methode weg. Offene Flammen sind dort besonders riskant. Bei unbekanntem Material ist kontrollierter Druck die bessere Wahl als eine schnelle Hitzelösung.

Die Methode sollte zum Schaden passen

Wenn der Antrieb nahezu rund ist, braucht es einen neuen Angriffspunkt. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, ob der Schraubenkopf übersteht, wie viel Platz rundherum vorhanden ist und ob das Bauteil später noch verwendet werden muss. Die folgende Übersicht ist keine Rangliste: Eine Zange kann bei einem überstehenden Kopf hervorragend funktionieren, bei einer versenkten Schraube aber gar nichts ausrichten.

Situation Geeignete Methode Worauf es ankommt
Kopf steht über Gripzange oder kleine Rohrzange Kopf seitlich fest greifen, Werkstück gegen Verdrehen sichern
Schlitz ist beschädigt, Kopf liegt frei Neuen Schlitz einschneiden Trennscheibe ruhig führen und angrenzende Flächen schützen
Kopf ist versenkt, Schraube sitzt fest Linksbohrer oder Schraubenausdreher Zentriert und langsam bohren; Ausdreher nicht überlasten
Schraubenkopf lässt sich nicht mehr retten Kopf abbohren Nur den Kopf abtragen, danach den Schaft herausdrehen

Steht der Kopf etwas über, ist eine Gripzange oft die unkomplizierteste Lösung. Sie muss so eingestellt sein, dass sie den Kopf wirklich fest packt. Dann drehe ich in kleinen Bewegungen, statt ruckartig zu reißen. Rutscht die Zange, den Kopf nicht immer wieder an derselben Stelle zerquetschen; dadurch wird die Greiffläche kleiner. Bei einem empfindlichen Werkstück lege ich Schutzmaterial unter die Zange und sichere das Bauteil, damit es sich beim Lösen nicht mitdreht.

Ist der Kopf groß genug und zugänglich, lässt sich mit einer dünnen Trennscheibe ein gerader Schlitz einschneiden. Anschließend kann ein breiter Schlitzschraubendreher greifen. Die Scheibe sollte nur so tief schneiden, wie für den Bit nötig ist. Dabei entstehen Funken und Metallstaub, deshalb müssen Augen geschützt und brennbare Materialien aus dem Arbeitsbereich entfernt werden. Bei beschichteten Flächen kann schon ein kleiner Ausrutscher sichtbare Schäden hinterlassen. Eine Feile oder ein Dremelaufsatz ist langsamer, aber bei manchen Werkstücken leichter zu kontrollieren.

Linksbohrer und Ausdreher: hilfreich, aber nicht unfehlbar

Bei einer bündig sitzenden Schraube kommt ein Linksbohrer infrage. Er schneidet beim Bohren gegen den Uhrzeigersinn. Manchmal löst sich die Schraube schon während des Bohrens, bevor ein Ausdreher nötig wird. Wichtig ist ein möglichst genauer Mittelpunkt: Wenn der Bohrer schräg ansetzt oder seitlich wandert, kann das Innengewinde beschädigt werden. Eine Körnermarkierung hilft, sofern der Kopf noch eine Stelle bietet, an der man sicher ankörnen kann. Ich bohre langsam und kontrolliere zwischendurch, ob der Bohrer gerade bleibt.

Ein Schraubenausdreher wird in ein vorbereitetes Loch gesetzt und gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Er kann sehr nützlich sein, hat aber eine unangenehme Schwäche: Ausdreher sind hart und spröde. Wird zu viel Kraft aufgewendet, kann er abbrechen. Ein abgebrochenes gehärtetes Stück lässt sich mit normalem Bohrwerkzeug kaum entfernen. Deshalb sollte das Loch zur Größe des Ausdrehers passen und dieser nicht mit Gewalt hineingetrieben werden. Sobald deutlicher Widerstand entsteht, ohne dass sich die Schraube bewegt, halte ich an und prüfe Zentrierung, Bohrtiefe und mögliche Korrosion erneut. Ein Ausdreher ist kein Werkzeug, mit dem sich fehlende Vorbereitung durch mehr Kraft ersetzen lässt.

Wenn nur noch der Schraubenkopf übrig ist

Manchmal ist der Kopf so beschädigt oder fest, dass weitere Versuche keinen Sinn ergeben. Dann kann man ihn abbohren. Dafür wird ein Bohrer verwendet, der etwas kleiner als der Schraubenkopf ist. Ziel ist, den Kopf abzutrennen, nicht das ganze Gewinde auszubohren. Sobald der Kopf abfällt, lässt sich das Bauteil meist abnehmen. Der verbleibende Schraubenschaft steht dann häufig weit genug heraus, um ihn mit einer Zange zu greifen und herauszudrehen.

Diese Methode verlangt Aufmerksamkeit: Der Bohrer muss möglichst mittig laufen, damit das umgebende Loch und das Gewinde erhalten bleiben. Bei kleinen Schrauben ist der Spielraum gering. Wenn das Gewinde später wieder gebraucht wird, lohnt es sich, langsam zu arbeiten und die Bohrtiefe regelmäßig zu kontrollieren. Eine Schutzbrille ist dabei Pflicht, denn Späne können scharf sein und beim Bohren unvorhersehbar wegspringen. Ist das Bauteil teuer oder die Schraube Teil einer sicherheitsrelevanten Verbindung, kann es vernünftiger sein, die Arbeit abzugeben, statt auf gut Glück Material abzutragen.

Der eigentliche Fehler passiert oft vorher

Ein rundgedrehter Kopf ist nicht immer ein Zeichen dafür, dass jemand ungeschickt gearbeitet hat. Schrauben können durch Rost, Lack, falsche Montage oder einen beschädigten Antrieb fest sitzen. Trotzdem lässt sich viel vermeiden: den Bit passend wählen, den Schraubendreher gerade halten und die ersten Umdrehungen mit Gefühl machen. Bei einer neuen Schraube sollte der Antrieb sauber sein, bevor der Bit angesetzt wird. Bei kleinen Schrauben ist ein Handschraubendreher oft die bessere Wahl, bei größeren Verbindungen kann ein Akkuschrauber mit niedriger Drehzahl und moderater Kupplungseinstellung sinnvoll sein.

Wenn sich eine Schraube beim Herausdrehen plötzlich schwerer anfühlt, lohnt eine kurze Pause. Vielleicht verkantet sie, vielleicht zieht sie Material mit, vielleicht sitzt noch eine Sicherung oder eine zweite Verbindung im Weg. Weiterzudrehen, weil der Kopf ja schon fast draußen ist, ist ein verbreiteter Moment, in dem aus einer kleinen Reparatur eine aufwendige wird. Ein sauberer Ansatz spart meist mehr Zeit als jede Speziallösung. Und falls der Schraubenkopf doch nachgibt, ist das kein Grund für hektische Kraftakte: Erst den Schaden einschätzen, dann das Werkzeug wählen – die Schraube lässt sich oft noch entfernen, ohne das Werkstück zu opfern.

Foto von Roberto Sorin auf Unsplash

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